Die Sprachlernklasse der Hehlentorschule

Eine Sprachlernklasse gibt es an der Hehlentorschule seit über 20 Jahren.

Sie wurde überwiegend von Kindern kurdischen Familien besucht, nur vereinzelt hatten die Schüler einen anderen Migrationshintergrund.

Den Unterricht übernahm ein Lehrer mit muttersprachlichen Professionen und dem Fach Deutsch. Die Lerngruppen waren klein, die Kinder nahmen stundenweise am Unterricht ihrer Jahrgangsstufe teil, wurden dort integriert.

Auslöser, eine Sprachlernklasse als eigenständige Klasse größeren Rahmens und festem Bestandteil in der Schule zu installieren, war im März 2011 die Nachricht der Stadt Celle, dass 70 irakische Flüchtlingsfamilien ankommen würden, die zu integrieren seien. Im Hinblick auf die vorhandenen, guten räumlichen Gegebenheiten in dem ehemaligen Schulkindergarten, konnte die Aufgabe recht kurzzeitig ungesetzt werden.

Im laufenden Schuljahr 2016/2017 sind 18 Kinder aus 8 Nationen im Alter zwischen 6 und 12 Jahren in der Klasse.

Die Zusammensetzung ändert sich immer wieder. Eine Mischung, neben den Nationalitäten, bildeten weiterhin die große Altersspanne von bis zu vier Jahren und der Aufenthaltsstatus. Asylanten und Kinder aus dem europäischen Ausland, deren Eltern aus wirtschaftlichen Gründen hier sind und erst wenige Monate in Celle weilen, bilden die Sprachlernklasse.

Alle Kinder der Sprachlernklasse kamen ohne Deutschkenntnisse, z.T. alphabetisiert in einer anderen Schrift (kyrillisch, arabisch, griechisch chinesisch etc.).

Sie fanden ein gutes Miteinander und entwickelten eine hohe Sozialkompetenz. Sie kamen nicht zeitgleich, hatten ähnlichen Anfangsstatus und lernen emphatisch nachempfinden, wie es „Neuen“ so geht.

Sich wohlfühlen und ankommen ist ein wichtiges Fundament. Alle sollen spüren, dass sie willkommen sind.

Nur wenige Kinder konnten zunächst miteinander in der gleichen Herkunftssprache kommunizieren. Waren Sprachübereinkünfte möglich, wurden sie so zugelassen, dass die Schüler auch in ihrer Muttersprache reden, sich helfen oder erklären konnten. Sie sind stolz, Wörter aus ihrer Sprache den Mitschülern zu sagen.

Der hohe Aufforderungscharakter des ehemaligen Schulkindergartens, konnte wunderbar in den Schulalltag der Sprachlernklasse übernommen werden. Durch entsprechend eingerichtete Funktionsecken, wie die bewährte Puppenecke, der Bauteppich, die Musikecke mit vielen frei zu benutzenden Instrumenten, die Experimentierecke sowie der Küche, werden „Freiräume“ geschaffen, die es den Kindern spielend ermöglichen, „geschützt“ und nicht ständig im Fokus stehend, miteinander zu kommunizieren.

Diese Privilegien sind nicht hoch genug einzuschätzen und in der ganzheitlichen Unterrichtsform eine große Hilfe! ! ! !

Der Schule steht eine umfangreiche Liste von Dolmetschern zur Verfügung.

Die Elterngespräche im November konnten zu 100% mit allen Eltern und mit Hilfe von Übersetzern durchgeführt werden.

Der Stundenplan umfasst die regelmäßige Unterrichtszeit von 8.30 – 12.00 Uhr.

Fast alle Kinder sind in der Ganztagsbetreuung angemeldet.

Ein multiprofessionelles Team deckt die Unterrichtsversorgung ab und trifft sich zu regelmäßigem Austausch. Es besteht aus der Klassenlehrerin, der Deutschfachlehrerin, der Mathefachlehrerin, einer Musiklehrerin und einer Sportlehrerin, einer Sozialpädagogin im Anerkennungsjahr und einer FSJ-lerin, nach Bedarf einer Förderschulfachkraft.

Über die Lernentwicklung wird mit den Fachkolleginnen im multiprofessionalem Team, den Eltern und zukünftigen Regelklassenlehrern gesprochen.

Es gibt eine auf die individuelle Förderung bezogene Kooperation zwischen Lehrkräften der Sprachlernklasse und den Regelklassen.

Die Schülerinnen und Schüler, die in ihrem Heimatland bereits in der Schule waren, werden entsprechend ihren Fähigkeiten unterrichtet. Sie üben zunächst mit lautgetreuem Material Wort-Bild Zuordnungen, um ihren Wortschatz auszubauen. Wenn sie relativ sicher bei der Aussprache der einzelnen Laute sind, beginnen sie einfache lautgetreue Wörter zu notieren. Dabei schreiben die Schülerinnen und Schüler die Schrift, die sie in ihrem Heimatland erlernt haben. Später gehen diese Schülerinnen und Schüler dazu über, die Satzstrukturen genauer zu untersuchen.  Dieses setzt allerdings voraus, dass die Begriffe Wort und Satz voneinander unterschieden werden können.

Schülerinnen und Schüler, deren Schrift nicht lateinischen Ursprungs ist, lernen zunächst die Druckschrift, da diese ihnen im Alltag überall begegnet. Wenn sie in einer Regelklasse integriert sind, besteht die Möglichkeit, dass sie auch die Schreibschrift kennenlernen.

Für Mathematik sind wöchentlich vier Stunden im Stundenplan eingeplant. In diesen verfügbaren Stunden sind die Schüler in zwei Gruppen zusammengefasst, sodass jeder Schüler und jede Schülerin 2x wöchentlich neben der Förderung in der Sprachlernklasse, je nach seines / ihres Lernstandes, unterrichtet wird.

Diesbezüglich werden Lehrwerke aus der Sprachlernklasse weitergeführt und Lehrwerke des 1. Schuljahres bis 3. Schuljahres differenziert eingesetzt. Durch diese differenzierte Förderung wird ermöglicht, die Schüler und Schülerinnen bezüglich ihres Lernstandes in eine entsprechende Regelklasse zu integrieren.

Einmal in der Woche übernimmt die Sozialpädagogin im Anerkennungsjahr die Kinder. Exkursionen in der Schule, in der Umgebung, der Stadtteile, Sport sowie Sozialtraining sind dann angesagt. Projektmäßig finden gemeinsame Bewegungsstunden mit Regelklassen statt.

Außerdem wird einmal wöchentlich durch die Celler Bürgerstiftung die Möglichkeit geschaffen, eine Musiklehrerin der Kreismusikschule für die Sprachlernklasse zu finanzieren. Ein fantastisches Medium: Musik und Rhythmik, „Länder- und sprachübergreifend!

Die sehr heterogene Klassenzusammenstellung bedingt ein ständiges Kommen und Gehen mit großer Fluktuation. Der durchschnittliche Aufenthalt in der Sprachlernklasse beträgt 6 Monate – 1 Jahr.

Praktikanten sind willkommen. Hospitationswünsche in der Sprachlernklasse werden weitgehend erfüllt.